Bericht 1

Bericht 1

Hier starten wir für unsere interessierten Besucher die Reihe “Original und Kopie“

Es geht hierbei um Feuerversicherungsschilder. Wir unterscheiden dabei in etwa zwischen:
Kopien
Neuauflagen bzw. ganz neue Schilder
Neuere Schilder ab 1945
Fälschungen Kopien

Eine Kopie ist ein Schild, welches von irgendjemand aus meist finanziellen oder seltener aus spaßigen Gründen einfach nachgemacht wurde. Das Schild wirkt auf den ersten Blick wie ein Originalschild,-- bei genauerem hinsehen wird der Betrachter leicht feststellen, wo die Unterschiede zum Original liegen. In der Regel verzichten die Macher dieser Teile auf eine Herstellerbezeichnung, wie sie oftmals auf den Originalen zu sehen ist. Diese Schilder findet man auf Messen, Börsen, Flohmärkten usw. Die Schilder stammen oftmals aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus Deutschland. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, solange nicht der Eindruck provoziert wird, es handelte sich um ein Original. Die Fachleute erkennen wahrscheinlich die Kopie, Nichtfachleute können schon mal darauf reinfallen.

Neuauflagen und ganz neue Schilder

Eine Neuauflage ist ein Schild, welches eine z.B. Versicherungsgesellschaft in Anlehnung an alte originale neu aufgelegt hat. Oder ein Schild einer noch existierenden Gesellschaft, die für verdiente (?) Mitarbeiter oder Kunden eine sogen. Jubiläumsausgabe herausgibt. (z.B. die Allianz) Diese Schilder sind sehr leicht zu erkennen, man macht sich nicht die Mühe, Uraltschilder zu kopieren. Es reicht meist eine gewisse Ähnlichkeit. Aber auch hier gibt es Ausnahmen wie z.B. die Lippische Detmold (1986, Auflage nur 500 Stück). Oder auch das schöne Schriftschild mit der Krone der Schleswig-Holsteinische "Adelige Brandgilde". Dieses Schild (Evenden 126B ) wurde von der Gesellschaft im Jahre 1984 in einer Auflage von nur 100 Stück (!) Reproduziert. Diese Neuauflage ist mit der Originalversion fast identisch, lediglich das Gewicht des Schildes ist halbiert und die weiße Schrift ist nicht Zuckerguss sondern vertieft. Also können ungeübte fast nicht den Unterschied feststellen. Da das Original kaum jemand kennt und noch weniger besitzt, ist die Reproduktion mit der Auflage von 100 schon jetzt eine absolute Rarität und wird auch in Sammlerkreisen so bewertet.

Nach dem 2. Weltkrieg sind viele Versicherungsgesellschaften, die vormals hauptsächlich in östlichen Regionen des Deutschen Reiches tätig waren gezwungen gewesen, ihren Sitz in die westlichen Regionen zu verlegen. So gibt es viele Schilder, die einwandfrei erst nach 1945 entstanden sind. Nichts desto weniger zählen einige dieser Schilder inzwischen schon zu absoluten Raritäten, da gerade in der Zeit nach 1945 kein Mensch daran dachte, kleine Schilder zu sammeln. Die Menschen hatten ganz andere Probleme. So ist das Schild der Mecklenburgische Versicherung Hannover (1958) inzwischen ein sehr rarer Artikel wie auch das Schild der Vaterländischen Feuerversicherung ( 1955.) Diese Schilder sind, wenn auch neueren Datums, schon heute absolute Raritäten und kaum noch zu finden. Hinzu kommen aber immer mehr Schilder ganz neueren Datums. Diese Schilder sind auch von der Qualität absolut nicht mit den alten Schildern zu vergleichen. Sie sind blass, dünn, geradezu lieblos, ohne leben und ohne das gewisse Flair. Viele sind auch einfach nur „Potthässlich“. Es gibt sogar Feuerversicherungsschilder aus Plastik! Warum man sich nicht mehr die Mühe macht liegt auf der Hand: GELD. Und das ist sehr schade. Wir Schildersammler legen eben mehr Wert auf gute Qualität als auf Quantität. Die Konzerne sehen das leider anders. Eben daher gibt es die Fälschungen.

Fälschungen

(Das unendliche Thema )

Die Sammler suchen nicht den Billigramsch, sondern gute Qualitäten. Und dann möglichst ganz seltene Stücke,--- man ist ja schließlich wer. Sammler geben für gute Stücke, na, sagen wir mal, fast alles.

Und wenn dann auf dem Flohmarkt in Berlin oder München oder sonst irgendwo eine absolute Rarität angeboten wird, verschleiern sich die Augen, man bekommt den Schilderblick, man denkt irgendwie nicht mehr rational. Die Ratenzahlungsverpflichtungen fürs Häuschen oder die Waschmaschine werden vergessen, --- man muss dieses Teil irgendwann schließlich mal haben!!!. Und nun liegt es vor einem, und noch dazu relativ preiswert. Zwar etwas rostig vom langen herumhängen an der Hauswand,--egal. Kaufen, einpacken, die Freude ist groß.

Eine Zeitlang.

Beim putzen stellt man fest, dass der Rost relativ leicht wegzupolieren ist. Seltsam. Aber na ja, ist doch gut so. Man will ja schließlich keinen Schrott an der Wand zu hängen haben. Aber irgendwie ist man doch nicht so glücklich. Ist da irgendwas? Nach dem Studium der einschlägigen Publikationen und der Aufnahme von Kontakten, die man zwar schon so lange hat, aber selten pflegt, ereilt einen die dunkle Ahnung, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht stimmen kann!

Die Freaks wissen es schon lange: es soll Fälschungen geben. Ungeheuerlich ! Man hat schon irgendwoher was munkeln gehört. Und diese Schilder sind so gut, dass man es eigentlich nicht glauben kann. Schließlich ist man ja selber Spezialist, man sieht doch, was man erwirbt. Na, und dann,-- wer macht schon so schnöde Feuerversicherungsschilder nach? Ist ja geradezu ein Lacher! Man hat ja auch noch nie von so etwas gehört. Maggi und Co vielleicht, oder Tell und Milka, aber Versicherungen ? Kein renommierter Händler hat sich je wirklich um diese schnöden Feuerversicherungsschilder gekümmert. Eigentlich existieren die überhaupt nicht. Und die sollen gefälscht sein? Wirklich ? Und dann so etwas. Und das mir ! Schrecklich.

Unter anderem deshalb gibt es den Feuerversicherungsschilderverein, der davor warnt, solche Schilder als echt zu betrachten. Und natürlich auch noch andere. Besonders lobenswert ist hier die Webseite http://www.reklameschilder.com/. Auch hier wird vor Fälschungen gewarnt. Und es gibt dort unglaubliche Dinge zu betrachten! Natürlich meist schönste Werbeschilder, die einfach gefälscht werden.

Aber auch die Elite der Schilder, die scheinbar unscheinbaren Feuerversicherungsschilder sind nicht vor den Unbilden dieser dunklen Typen gefeit! Im letzen aktuellen Fall handelt es sich um die „Feuersozietät“ Grenzmark“ (Evenden 45 B, verwendet von 1930 bis 1939 (!) Ein sehr seltenes und schönes Schild aus dem ehemaligen Ostdeutschland. (Nicht ehem. DDR, das war Mitteldeutschland)

Dieses Schild war zu DM-Zeiten locker 1000,--DM und mehr Wert. Eben selten. Das haben unsere östlichen Freunde auch schnell mitbekommen und flugs das Teil neu aufgelegt. Und zwar mit Herstellerangabe vom alten Gottfried Dichanz aus Berlin. SO. Sehr unschön das !

Hätten sie das weggelassen wäre es ein nachgemachtes Schild, eben und allenfalls einfach ärgerlich. Aber so handelt es sich um eine astreine Fälschung mit dem Bestreben, eine Echtheit des Schildes vorzutäuschen. Eben in betrügerischer Absicht, um für das Schild einen hohen Erlös zu erzielen. Bei Erscheinen der ersten Schilder in Berlin wurden pro Stück 300,-bis 500,--Euro und mehr verlangt und bezahlt. Das ging eine Weile gut so bis man drauf kam, dass es so viele Schilder gar nicht geben könne. Noch dazu waren fast alle Schilder in schlechter Kondition. Meist waren alle Ränder verrostet, die Schraublöcher ebenso und teilweise die Emaille abgeplatzt und die Schilder verkratzt. Im Nachhinein hätte es eigentlich auffallen müssen, dass es sich um künstlich/chemisch erzeugten Rost handelte. Aber, ...na ja....

Inzwischen ist nach mehr als zwei Jahren auch dieses Schild nicht mehr so aktuell, man kann dieses Schild relativ günstig erwerben *) als Belegexemplar oder als Ersatz, bis sich ein preiswertes „Echtes“ anbietet. In freier Wildbahn und an irgendwelchen Wänden wird es dieses Schild bestimmt nicht mehr geben. Wie auch.

Weitere Fälschungen von Feuerversicherungsschildern sind zur Zeit nicht exakt bekannt. Einige Fachleute vermuten, dass es noch ein nachgemachtes Schild geben könnte. Ein sehr seltenes Schild ist vor einiger Zeit in Berlin, Flohmarkt 17.Juni aufgetaucht. Auch in unserem Annoncenblatt wurde die Vermutung geäußert, es könne sich eventuell um ein nachgemachtes Schild handeln. Dieses Schild ist in beunruhigend kurzer Zeit mindestens 6 mal auf diesem Flohmarkt von unseren östlichen Freunden angeboten worden. Doch es liegen bis heute keine belegten Zeugnisse darüber vor, dass die aufgetauchten Schilder tatsächlich gefälscht sind. Im Gegenteil, andere Fachleute auf diesem Gebiet, nachweislich sachkundige Spezialisten bekunden, dass es sich um absolute Originale handelt. Zu bedenken dabei ist, dass selbst der Spinnwebenkot und der Ur-ur-altdreck auf einem Schild heute nachgemacht werden kann,--genauso wie die Holzwurmlöcher und Spuren in Fabrikneuen Möbeln!

Und daran kann man mal sehen, wie schwer es inzwischen geworden ist, den Machenschaften der Fälscherbanden auf die Schliche zu kommen. Somit sollten wir alle etwas wachsamer werden!

*) Es sind inzwischen ca. 25 dieser Fälschungen registriert, plus Dunkelziffer dürfte die Gesamtzahl dieser Schilder die 40 Stückmarke nicht übersteigen! Seit einiger Zeit werden auch keine Fälschungen mehr angeboten. Dafür ist ein großer Posten Original - Schilder aufgetaucht, alle mit Lagerungs- Wasserschaden. (Stand 08/2005) Immerhin!

(überarbeitet 10.01.2007)
Diese Reihe wird fortgesetzt
Redaktion: Lothar Brandenburg
Weblayout: Bodo Schümann
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Die Fälschung

Echt oder unecht?
Bericht 2